Ostern und die Frage nach einem ‚Zellhaufen‘

„Do not go gentle into that good night
Rage, rage against the dying of the light.“
(Dylan Thomas)

Wir haben ein sehr schönes Osterfest bei meinen Eltern verbracht. Am Karfreitag habe ich mit meiner Mutter Struwen gemacht. Den Karsamstag haben wir mit meiner ältesten Schwester und meinem Neffen verbracht. Am Abend war Ben zum ersten Mal mit mir in einer katholischen Osternachtsmesse und war dann doch sehr geschockt, dass es fast drei Stunden gedauert hat. Die Osterfeiertage haben wir viel gegessen und sind – wenn es das Wetter erlaubt hat – spazieren gegangen. Meine kleine Schwester hatte ihren Hund dabei und der ist heute ordentlich durch den See getobt.

Doch es gab auch Momente, in denen ich mir seltsame Gedanken gemacht habe. Gewiss, weil das Abschiedsritual so bald bevorsteht. Und die Trauer nun noch einmal hochkommt.

Wir sprachen am Morgen nach der Messe über die Auferstehung. Und da habe ich mich gefragt, ob während all der Behandlung wohl einmal ein kleiner ‚Zellhaufen‘ enstanden ist. (Ich glaube ja, dass dies bei der ersten IUI geschehen ist). Und ob dieser ‚Zellhaufen‘ auch auferstehen kann.

Es ist vielleicht ein wenig seltsam, sich über das Nachleben eines kleinen ‚Zellhaufens‘ (der Ausdruck stammt von Ben) zu sorgen. Doch es scheint mir, als wäre es kein vollständiger Sieg des Lebens über den Tod, wenn der kleine ‚Zellhaufen‘ – der doch so viel hätte sein können – einfach in das Vergessen sinkt.

Ob der ‚Zellhaufen‘ auferstehen kann, hängt vermutlich davon ab, ob er bereits eine Seele hatte. Die Kirche scheint zu glauben, dass ein Embryo vom ersten Tag an eine menschliche Seele hat. Wenn  dem so wäre, sollte der ‚Zellhaufen‘ genauso als Mensch auferstehen können, als wenn er sich wirklich zu einem Kind entwickelt hätte.

In der griechischen Philosophie glaubte man hingegen, dass die Seele nur in  einen Körper kommen kann, der ‚passend‘ ist. Das heißt, in einen Körper, der schon Form hat. Dieser Vorstellung nach könnte der ‚Zellhaufen‘ höchstens eine vegetative Seele haben. Also eine Seele, wie sie Pflanzen haben. Die Wahrnehmungsseele und die Vernunftsseele wären erst gekommen, wenn der Embryo begonnen hätte, menschliche Form anzunehmen.

Wäre dem so, so könnte der ‚Zellhaufen‘ wohl höchstens als Blume oder als Baum auferstehen. Und ich würde meine Tage im Paradies damit verbringen, nach einer kleinen Blume zu suchen.

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3 Gedanken zu “Ostern und die Frage nach einem ‚Zellhaufen‘

  1. Verrätst du mir, was Struwen sind?
    Die Seelenfrage ist eine sehr interessante – gerade auch im Zusammenhang mit assistierter Befruchtung. Ich finde die Entwicklung der Seele so wie sie in der Antike vermutet wurde, ziemlich stimmig. Daran lehnt sich- eventuell- auch der jüdische Glaube an. Lg

    Gefällt 1 Person

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