Niemals schwanger

„Ich werde niemals schwanger sein“. Seit wir uns für die Adoption entschieden haben, verfolgt mich dieser Gedanke.  Natürlich können Wunder geschehen, natürlich kann es (hoffentlich nicht!!!) geschehen, dass die Adoptionsbewerbung scheitert und wir doch wieder mit der Behandlung anfangen müssen.

Aber falls wir mit der Adoption Glück haben sollten  – und im Moment bin ich relativ optimistisch – dann ist das vermutlich die Konsequenz unserer Entscheidung. Und nun blicke ich, morgens beim Aufwachen und abends beim Einschlafen, auf diesen Gedanken.

Ich blicke fassungslos auf diesen Gedanken. Da ist noch keinerlei Gefühl, keinerlei Einordnung. Ich weiß, dass ich die Hoffnung auf eine Schwangerschaft betrauern muss, mich verabschieden muss, um mich ganz auf die Adoption einlassen zu können.

Aber da ist nichts. Nur so eine Taubheit. Ich habe nicht geweint, als das Negativ kam, nicht als die Blutung einsetzte, nicht, als mein Vater mir einen Tag nach dem Negativ erzählt hat, das mein Cousin Vater wird.

Ich fühle noch keine Trauer. Auch kaum Wut. Nur manchmal ein wenig Freude, wenn ich an unsere Adoptivkind denke.

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5 Gedanken zu “Niemals schwanger

  1. Ich finde deine Entscheidung wahnsinnig mutig. Und ja, ihr habt sie – trotz der langen Vorbereitungszeit – doch recht zügig getroffen. Ich bewundere euren Mut, euch gegen den üblichen Weg (ICSI/IVF) entschieden zu haben. Umso mehr wünsche ich euch, dass ihr einem Kind bald ein wundervolles Zuhause geben könnt.
    Der Abschied von einem möglichen leiblichen Kind ist ein tiefgehendes Ereignis. Ich habe oft gelesen, dass man auch um dieses nie geborene Kind trauern wird, ja sogar trauern muss, um damit abschließen zu können. Für mich ist diese Option momentan unvorstellbar, obwohl ich mich mittlerweile jeden Tag mit diesem Gedanken beschäftige. Aber ich schiebe ihn jeden Tag auch wieder weg. Weit weg.
    Ich bin gespannt, deine Lebensgeschichte weiter zu verfolgen.
    Alles Liebe

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  2. Der Entschluss ist ja noch nicht so lange her. Oft dauert es noch etwas, bis der Gedanke, der im Kopf schon völlig klar ist, auch im Bauch und Herzen richtig ankommt… Du wirst deinen Weg finden, damit umzugehen, da bin ich mir sicher.
    In vielen Momenten bin ich auch vielmehr wütend als traurig. Das ist ok. Wie war das mit den Trauerphasen? Nicht-Wahrhaben-Wollen, aufbrechende Emotionen (durcheinander Trauer, Wut, Freude, Zorn, Angstgefühle und Ruhelosigkeit), Suchen/Finden/Sich trennen, und schließlich Akzeptanz. (Teilweise hab ich von Wikipedia kopiert, ähem.) Hier geht es zwar ums Sterben, aber so ein Kind, das man nie hatte und eine Schwangerschaft, die man nie hatte, ist ja gar nicht so unähnlich. Mit dem Unterschied, dass ihr trotzdem noch ein Kind bekommen könnt. (Bei uns ist es derzeit andersherum, mit Adoption kann mein Mann sich so gar nicht anfreunden, so dass wir weiter in die IVF gehen. Jeder muss seinen Weg wählen…)

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  3. Huhuuuu Du,

    habe gerade Deinen Blog entdeckt und kann Deinen Beitrag so gut nachvollziehen! Wir haben auch sehr lange vergeblich versucht schwanger zu werden und sind jetzt sehr sehr happy mit unserer Adoptivtochter. Du hast total recht, es ist ein Abschied und irgendwie sollte er auch betrauert werden. Die Idee mit dem Ritual finde ich super, probiert das doch mal aus.
    Ich habe übrigens einen ganz ähnlichen Beitrag vor einiger Zeit geschrieben, vielleicht magst Du ja mal vorbeischauen: https://familiebitte.wordpress.com/2015/04/23/abschied/
    Ich glaube, so ein Stückchen Traurigkeit wird immer bleiben, jedoch weniger Trauer über ein fehlendes leibliches Kind, als Trauer über eine fehlende Schwangerschaft. Denn mit BabyBitte haben wir das perfekteste Kind und ich könnte mir nicht vorstellen ein leibliches Kind mehr zu lieben.
    Ich drücke Euch ganz fest die Daumen, dass ihr sehr bald zu Euerm Wunschkind kommt und nicht allzu lange auf den alles entscheidenden Anruf warten müsst.
    Alles Gute Euch
    FrauBitte

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