Aussortieren

Diese Woche habe ich angefangen, unsere Wohnung auszuräumen und alles auszusortieren. Dabei habe ich so viele alte Karten und Briefe gefunden. Und Gedichte, die ich früher für meinen Mann geschrieben habe. Da wurde mir bewusst, wie glücklich ich damals war. Und mir wurde bewusst, dass ich schon lange kein solches Gedicht mehr geschrieben habe. Alle meine neuen Gedichte betreffen irgendwie den Kinderwunsch und unsere verlorenen Hoffnungen.

Dabei sind wir immer noch glücklich miteinander. Ich bin immer noch in meinen Mann verliebt. Natürlich ist Alltag eingekehrt. Doch auch meine alten Gedichte betrafen alltägliche Situationen, kleine Momente im Alltag, indem wir einfach glücklich waren. Diese Momenten gibt es noch. Die Gedichte nicht mehr. Denn immer wenn ich schreiben will, ist da etwas anderes, eine grundsätzliche Traurigkeit, die alles überschattet. Selbst die Gedichte, die ich zu unserer Hochzeit schrieb, erhalten etwas von dieser Traurigkeit.

Das hat den Zweifel bestärkt, der mich schon den ganzen zweiten IUI-Zyklus begleitet hat. Ist der Weg wirklich richtig für uns? Ist das der Weg zur Erfüllung unserer Träume und unserer Liebe oder ist  es nicht eher so, dass wir uns das Festhalten an diesem unrealistischen Traum das Glück zerstört, dass wir haben könnten?

Ich war mir immer sicher, dass ich Mutter werden möchte (und sollte). Diese Überzeugung hat schon eine quasi-religiöse, schicksalhafte Komponente. Mittlerweile frage ich mich aber, ob ich mich da nicht grundsätzlich in mir selbst täusche.

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Ein Gedanke zu “Aussortieren

  1. Liebe Anni, ich kann die Zweifel so gut verstehen. Ich habe während unseres ICSI-Weges auch so oft gedacht, dass uns jeder weitere medizinische Schritt, der fehlschlägt, nicht näher zu unserem Kind bringt, sondern uns von ihm entfernt. Und ab einem gewissen Zeitpunkt wurde das Gefühl sehr stark, dass der ICSI-Weg nicht zu lang werden darf. Die Grenzen sind ja nicht festgelegt – für die Einen ist die dritte IUI zu viel, die anderen machen die 17. ICSI. Da gibt es ja kein richtig und falsch. Alles Gute für den Umzug! LG Tina

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