Möglichkeiten

Noch ein Tag bis zum Bluttest und meine Gelassenheit, die ich am Anfang der Warteschleife noch zu haben glaubte, ist dahin. Ich habe Angst vor einem weiteren Negativ. Und natürlich werde ich nicht aufhören können. Was immer der Arzt morgen für weitere Behandlungen vorschlägt – weitere IUI, IVF, ICSI – werden wir machen.

Gestern versuchte mich eine gute Freundin zu trösten. Es gäbe doch noch so viele Möglichkeiten. Das stimmt. Sollten unsere Versuche hier alle vergeblich sein, bleiben immer noch weitere IVFs/ICSIs im Ausland, Eispende, Embryonenspende, etc. Solange wir Geld zusammenbekommen, können wir im Prinzip immer weiter machen. Selbst die Wechseljahre sind ja heute kein absolutes Hindernis mehr.

Gerade das macht mir Angst. Ich fürchte, wir werden uns in all diesen Möglichkeiten verlieren. Unser Warten auf die Schwangerschaft scheint mir  wie das Warten von Didi und Gogo in Becketts Drama „Warten auf Godot“. Am Ende jedes Aktes wissen sie, dass Godot nicht kommen wird. Und jedes Mal beschließen sie, morgen wiederkommen und erneut warten. Dies wiederholt sich vermutlich seit vielen Jahren, sie selbst scheinen die Zeit nicht mehr überblicken zu können.

Es klingt immer gut „durchzuhalten“ , „nicht aufzugeben“, „alle Möglichkeiten auszuschöpfen“. Didi und Gogo sind genau solche Charaktere. Doch das führt sie eben nicht zu Godot – eigentlich wissen die beiden längst nicht mehr, warum es überhaupt wichtig ist, mit Godot zusammenzukommen – sondern in ihre persönliche Hölle.

Und jede Szene endet mit demselben schrecklichen Satz: „Und sie rühren sich nicht von der Stelle.“

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2 Gedanken zu “Möglichkeiten

  1. Ich drücke dir die Daumen für morgen.
    Ich kann verstehen, was du meinst. Mir geht es manchmal ähnlich. Vielleicht sollte man sich wirklich ein festes Limit setzen. Bis hier hin und nicht weiter. Das würde zumindest die Gefahr des ewigen Wartens etwas mindern… Haben wir aber bisher auch nicht gemacht.

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  2. Die gleichen Gedanken habe ich momentan auch. Wann ist genug? Wann muss man akzeptieren, das dieser Weg in eine Sackgasse führt? Und trotzdem siegt (noch) die Hoffnung. Ich quetschen meinem Daumen blau für dich!

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