„Tochter, du schuldest mir Enkel“

Ein Satz aus Ovids Metamorphosen (Debes mihi, nata, nepotes. (1,482)). Gerichtet an Daphne, die aber lieber Jungfrau bleibt und wie die Mondgöttin Diana in den Wäldern jagt.

Mein Vater würde so einen Satz natürlich nie sagen. Er ist ja liberal und aufgeklärt, ein Befürworter der Emanzipation, ein Verfechter der freien Persönlichkeitsentwicklung. Außerdem weißt er über meine Unfruchtbarkeit und er kann ja kaum verlangen, was nicht möglich ist.

Dennoch – es gibt auch subtilere Wege um deutlich zu machen, dass das einzigste, was man als Vater wirklich anerkennen würde, worauf man stolz wäre, die Geburt eines Enkels (oder einer Enkelin) ist.

Als mein Buch (meine Dissertation) rauskam, schickte ich mein Vater per WhatsApp ein Foto. Keinerlei Reaktion, nicht mal ein „cool“ oder „schön“. Was wäre wohl gewesen, wenn ich ihm statt des Fotos vom Buch ein Ultraschallbild hätte schicken können? Dann hätte ich mich vor Glückwünschen und Nachfragen wahrscheinlich kaum retten können.

(Ich sehe ja, wie viel Begeisterung jedes *Nichte*-Bild bei meinem Vater auslöst – während er immer noch kein einziges Hochzeitsfoto von uns aufgehangen hat. Kinderfotos von mir und meinen Schwestern gibt es in seiner Wohnung auch nicht mehr. Nur noch *Nichte*. Es scheint manchmal, als wäre er Großvater geworden, ohne je Vater gewesen zu ein).

Das Gemeine an dieser ’subtilen‘ Art, Enkel zu ‚fordern‘, ist, dass man sich kaum dagegen wehren kann. Daphne konnte immerhin mit ihrem Vater streiten und schließlich ihr Lebensmodell gegen den Vater durchsetzen. Auf die klare Forderung ihres Vaters konnte sie mit einer klaren Gegenforderung („Lass  mich leben wie die Göttin Diana“) reagieren. Ich habe nichts dergleichen. Nur Andeutungen, nur einige ausbleibende Reaktionen, die zu diesem diffusen Gefühl führen, allein ein Enkelkind könnte mir das Interesse und die Anerkennung meines Vaters sichern.

Aber so möchte ich das natürlich auch gar nicht. Ich möchte ja als Tochter, nicht als Mutter von meinem Vater geliebt werden. Und mein Kind ist nicht dafür da, die  Beziehung zu meinem Vater zu bereinigen.

(Ich frage mich manchmal, wie sich das für meine (Stief)schwester anfühlt. Von ihr hängt ja auch kein Hochzeitsfoto. Auch kein Foto, wo sie selbst ein Kind war. Die Wohnung meines Vaters ist zwar mit Bildern ihrer Familie tapeziert, aber sie und ihr Mann erscheinen da eher als „Beiwerk“ – irgendwer muss ja das Baby halten. Das wünscht man sich doch auch nicht, oder?)

 

 

 

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Und wieder ist Aschermittwoch

Heute geht mir wieder der Aschermittwoch des letzten Jahres durch den Kopf. Es war der Tag vor dem Hausbesuch. Ich war so nervös, habe alles aufgeräumt (tausendmal gefühlt), umdekoriert, wieder umdekoriert, Muffins gebacken… Gleichzeitig war ich aber auch so voller Hoffung, fast euphorisch. Endlich geht es so richtig los! Hätte mir damals jemand gesagt, dass am nächsten Aschermittwoch noch nicht einmal das Bewerberseminar stattgefunden haben wird, ich hätte alles verzweifelt hingeworfen. Ist schon gut, dass man nicht alle Probleme und Hindernisse vorhersehen kann.

Auch dieses Jahr beginnt mit Aschermittwoch wieder das Hibbeln. In ungefähr vier Wochen (den Tag nach Ostermontag) soll endlich das Bewerberseminar beginnen. Laut Mail der Sozialarbeiterin sieht es bisher ganz gut aus mit den Anmeldungen. Allerdings haben wir noch keine Einladung erhalten (beim letzten Mal kam die schon drei Monate vorher). Das nenne ich mal ‚gemischte Signale‘.

Wie auch immer, langsam kommen Hoffnungen auf, auch wenn ich sie nicht zu groß lassen werden möchte. Eigentlich möchte ich gar nicht so viel Grübeln. Hole mir jetzt lieber das Aschekreuz und dann heißt es sieben Wochen lang Daume drücken, dass diesmal wirklich nichts dazwischen kommt.

Neue Unsicherheiten

Zu Beginn erstmal eine gute Nachricht: Unsere Jugendamtsmitarbeiterin hat uns letzte Woche mitgeteilt, dass es jetzt schon über 7 (!) Anmeldungen für das Seminar gibt und dass sie sich deshalb recht sicher ist, dass es nach Ostern endlich stattfinden kann. Also kann ich mir so langsam endlich wieder etwas Vorfreude erlauben.

Doch leider tun sich gerade auf der Arbeit neue Unsicherheiten auf. Mein Chef hat vielleicht ab April eine neue Professur am anderen Ende von Deutschland (vielleicht heißt: falls unsere Uni kein gutes Gegenangebot macht). Sicher entscheidet sich das erst nächsten Monat. Das Problem ist: Das Forschungsprojekt, in dem sich arbeite, ist an ihn gebunden. Das heißt – mein Job zieht vielleicht im April irgendwo ans andere Ende von Deutschland.

Das finde ich alles ziemlich ärgerlich und kurzfristig. Umziehen ist für uns gerade keine Alternative, schon gar nicht so weit weg. Erstens haben wir es im Frühjahr vielleicht endlich mal geschafft, als Adoptionsbewerber in unserer „Heimatstadt“ anerkannt zu werden. Da können wir ja nicht wegziehen und anderswo noch mal von vorne beginnen. Zweiten studiert Ben hier und kann so schnell nicht wechseln.

Kündigen ist aber natürlich ebenso wenig eine Lösung. Bis April finde ich hier keinen anderen Job und ohne Job hat sich das Adoptionsverfahren auch erledigt. Außerdem bin ich gerade mitten in dem Projekt, was ich sehr interessant finde und zu Ende führen möchte.

Die einzige Lösung ist wohl, dass wir hier wohnen bleiben und ich so zwei bis drei Tage in die andere Stadt zum Arbeiten fahre (einen Teil meiner Arbeit kann ich auch im HomeOffice erledigen). Finanziell ist das aber für uns sehr nachteilig. Ich brauche dann wohl eine BahnCard 100 (das sind fast zwei Monatsgehälter im Jahr!) und irgendein Zimmer muss ich in der anderen Stadt ja auch mieten.

In dieser Konstellation wird von meinem Gehalt wohl gerade mal noch soviel übrig bleiben, dass wir irgendwie davon leben können (Ben verdient ja als Student nicht viel). Irgendwie wird es wohl gehen, aber ich habe mich halt im letzten Jahr auch daran gewöhnt, dass mal Geld für Kino, Theater oder Urlaub übrig ist und ich nicht auf jeden Cent schauen muss. Damit wäre es dann vorbei.

Nicht dramatisch, aber ärgerlich. Vor allem weil ich durch den Wechsel in die andere Stadt nicht den allergeringsten Vorteil hätte. Ich bin gerne an meiner jetzigen Uni und hatte mich darauf eingestellt, dort noch eineinhalb Jahre zu bleiben. Bleibt wohl nur zu hoffen, dass unsere Uni meinem Chef ein gutes Gegenangebot macht und unser Projekt dort bleibt.

 

 

Trost-Einkäufe

Das Wochenende hängt mir immer noch nach. Im Dezember kam ich eigentlich ganz gut mit der Seminarabsage klar, denn da war ich durch die Weihnachtszeit abgelenkt. Jetzt hingegen erscheint mir alles wieder so hoffnungslos, manchmal habe ich keine Lust, überhaupt aufzustehen.

Beim Einkaufen heute Mittag lief ich „zufällig“ an einem Regal mit Babysachen vorbei. Dort sah ich eine kleine Spieluhr in Form eines Wals. Die musste ich dann gleich mitnehmen – für unser zukünftiges Kind.

Es ist nicht das erste Mal, dass ich Sachen für unser Kind kaufe, obwohl die Chance auf eine Adoption noch in weiter Ferne liegt und ich ja gar nicht wissen kann, wie alt das Kind überhaupt sein wird. Unsinn eigentlich. Die Sachen liegen hier nur im Regal und verstauben. Trotzdem habe ich für unser Kind im Laufe des letzten Jahres schon die  folgenden Dinge gekauft:

  • Eine Spieluhr in Walform (heute)
  • Drei Kinderbücher, die Adoptionen erklären („Das grüne Küken“, „The Muelberry Bird“, „Kind ist Kind“)
  • Ein Weihnachtskinderbuch (hat nichts mit Adoption zu tun, es gefiel mir einfach so)
  • Ein Kuscheltuch mit Bären
  • Zwei Schnuller (grün und gelb)
  • Eine Babyflasche mit kleinen Elefanten drauf

Ich hatte auch schon diverse Babystrampler in der Hand, die ich erstehen wollte. Doch in diesen Fällen konnte ich mich bisher mit dem Hinweis zur Vernunft bringen, dass ich überhaupt nicht einschätzen kann, welche Größe unser Kind haben wird (schließlich haben wir beim Jugendamt angegeben, dass wir ein Kind bis zu 2 Jahren aufnehmen würden).

Während der Kinderwunschbehandlungen hatte ich diesen Drang zum Einkaufen von Baby- und Kindersachen nicht. Ich glaube, dass liegt daran, dass mich die Einkäufe gar nicht in erster Linie trösten, sondern mir in Bezug auf das Adoptionsverfahren ein Gefühl von Realität zurückgeben.

Während der Kinderwunschbehandlungen brauchte ich das nicht. Da war genug anderes, dass mir ein Gefühl von Realität gab (Spritzen, zu Ultraschalls fahren, Puregon nehmen). Die Behandlungen erschienen mir nie „irreal“. Ich konnte ja richtig merken, dass etwas in meinem Körper passiert.

Beim Adoptionsverfahren ist das anders. Hier passiert so wenig. Letztes Jahr im März war der Hausbesuch. Im Oktober war das Seminar in Bochum (mit dem wir nun ehe nichts anfangen können). Dazwischen nichts. Seither nichts. Und vom Amt hören wir auch nicht viel (außer Terminabsagen). Das Ganze scheint mir deshalb oft völlig irreal. Ich – eine Adoptionsbewerberin? Ist doch nur ein schräger Traum. Oder es erscheint mir wie etwas, was ich mal versucht habe, aber voran ich gescheitert bin.

Und dann halte ich diese Spieluhr in der Hand, die Spieluhr für unser Adoptivkind. Und plötzlich wirkt alles wieder real. Nicht wie ein absurder Traum, nicht wie etwas, was schon gescheitert ist, ehe es richtig angefangen hat. Sondern wie eine echte Möglichkeit für die Zukunft.

 

 

Wieder einer dieser Tage

Heute war wieder mal einer dieser richtig blöden, dunklen Tage. Der Tag fing schon damit an, dass ich zum Aufwachen 25 neue Nachrichten in unserer Familien-Whatsapp-Gruppe sah: Eine Schwangerschaftsnachricht von meiner Cousine mit einer ganzen Reihe von Glückwünschen.

Natürlich freue ich mich für sie. Oder nein. Ich weiß, dass ich mir für sie freuen sollte. Und bestimmt tue ich das auch in ein paar Tagen (jedenfalls hoffe ich das). Im Moment empfinde ich nichts als Neid und Verzweiflung. Ich hatte doch so gehofft, dass das nächste  Baby in unserer Familie das unsere sein wird. Stattdessen stehen wir mal wieder nur am Rand und schauen zu.

Ich weiß natürlich, dass das albern ist. Wir veranstalten hier ja keinen Wettlauf und die Schwangerschaft meiner Cousine hat nicht das geringste mit unseren Adoptionschancen zu tun. Trotzdem fühlt es sich mies an. Irgendwie so nach „Arrested Development“. Als würde sich das Leben von allen anderen weiter entwickeln, und nur bei uns hätte irgendwer die Pausentaste gedrückt.

Und dann ist da immer noch diese quälende Angst, dass Bewerberseminar wieder abgesagt wird. Bis Ostern ist noch so viel Zeit, wer weiß, wer wieder alles abspringt…

 

LiebsterAward

Vielen Dank, liebe Kiwule (https://kinderwunschundleben.wordpress.com), für die Nominierung zum „LiebsterAward“ und für deine guten Wünsche. Ich wünsche dir auch alles Gute zum neuen Jahr und vor allem, dass ihr bald euer Baby in den Armen halten könnt.

Hier die Regeln für den „LiebsterAward“.

1)  Bedanke dich bei der Person, die dich nominiert hat.

2) Beantworte die 10 Fragen.

3) Überlege dir 10 neue Fragen.

4) Nominiere neue Leute für den LiebsterAward.

5) Informiere die nominierten Blogger!

6) Füge die Grafik für den LiebsterAward ein! (Wie ihr seht, konnte ich diese Regel selbst nicht befolgen. Keine Ahnung, wie man hier eine Grafik einfügt).

7) Vergiss nicht die, Regeln des LiebsterAwards einzufügen!

 

Und hier meine Antworten auf Kiwules Fragen:

  1. Gibt es Rituale oder Dinge, die dir in der Kinderwunschzeit helfen/geholfen haben?

Während der Kinderwunschbehandlungen (GVnP und IUI) habe ich nach dem Zeitpunkt, wo die Eizelle hätte befruchtet werden sollen, abends immer mit der kleinen Zelle geredet. Einen Namen habe ich ihr auch gegeben. Damals hatte ich den Eindruck, dass es mir hilft. Aber es hat auch bei jedem Negativ meine Trauer verstärkt.

Beim Adoptionsverfahren habe ich noch kein richtiges Ritual gefunden. Die Dinge wiederholen sich ja  nicht so zyklisch wie es während der KiWu-Behandlungen war. Allgemein lese/sehe ich gerne Geschichten über Adoptionen. Das hilft mir, zu hoffen.

  1. Bist du sauer auf die Leute, bei denen’s einfach mal so klappt?

Eigentlich nicht. Ärgern tue ich mich nur, wenn Leute, die selbst nie Probleme mit Fruchtbarkeit und Schwangerschaften hatten, suggerieren, all die Dinge, die man im Rahmen von KiWu-Behandlungen und Adoptionen tun und entscheiden muss, seien doch gar kein Problem und wenn sie selbst in der Situation wären, wüssten sie ganz genau, was sie machen würden.

Ein Beispiel: Vor ein paar Wochen fragte mich eine Verwandte, wie es mit der Adoption läuft. Ich erzählte ihr, dass es im Moment nicht richtig weiter geht. Sie frage dann, warum wir uns nicht für die Pflege eines älteren Kindes bewerben, da werden doch immer Familien gesucht. Ich erklärte ihr, dass wir uns das im Moment nicht zutrauen. Und als Antwort kam dann nur: „Das kann man doch lernen“. Und das sagte sie, während sie selbst ihren drei Monate alten Sohn im Arm hatte, den sie ohne Probleme bekommen hat. Sie selbst war nie in der Situation, eine solche Entscheidung treffen zu müssen, wie die, vor der wir gerade stehen. Da hat sie ja leicht reden zu sagen: „Ist doch alles kein Problem, kann man ja lernen.“ Da war ich dann schon ziemlich sauer, habe aber nichts gesagt (leider typisch für mich).

  1. Hast du deine Blogadresse Freunden und Bekannten genannt? Warum ja? Warum nicht?

Ben schon, da hier ja auch seine Geschichte erzählt wird. Meinen anderen Freunden, Familienmitgliedern und Bekannten aber nicht. Wenn ich möchte, dass sie von unserer Situation erfahren, erzähle ich es ihnen lieber persönlich als sie meinen Blog lesen zu lassen.

  1. Liest du jeden Tag Blogs? Warum ja? Warum nein?

An den meisten Tagen schaue ich schon mindestens einmal in meinen „Reader“ hier, um zu sehen, ob es in einen der Blogs, die ich abonniert habe, neue Beiträge gibt. Immer schaffe ich es aber nicht. Warum, weiß ich gar nicht so genau. Ist mittlerweile einfach  eine Gewohnheit, genauso wie ich einmal am Tag in meinen E-Mail-Account und meinen Facebook-Account schaue.

  1. Hast du schon einen Namen für euer Baby?

Ja, wir haben sogar vier Namen. Erst hatten wir zwei, einen Jungen- und einen Mädchennamen. Aber da wir während der IUI auf Zwillinge gehofft haben, haben wir noch einen weiteren Jungen- und Mädchennamen überlegt.

Bei der Adoption ist es aber so, dass das Kind oft schon einen Namen hat. Ich rechne also damit, dass es für mich eher eine Überraschung sein wird, wie unser Kind heißen wird. Vielleicht geben wir unseren Namen dann noch als Zweitnamen hinzu.

  1. Magst du Pläne machen? Warum ja/nein?

Ja, besonders in Bezug auf schöne Dinge. Um Silvester herum planen Ben und ich immer unseren Sommerurlaub. Dann habe ich schon was, auf das ich mich im neuen Jahr freuen kann. Was den Kinderwunsch angeht, bin ich mit Plänen inzwischen eher misstrauisch. Denn umso fester ich mir einen Plan ausmale, umso größer ist meine Enttäuschung, wenn wieder etwas („zu geringe Teilnehmerzahl“) dazwischen kommt.

  1. Magst du Sport? Wenn ja, welchen?

Eigentlich nicht. Ich mache einmal die Woche Wassergymnastik, aber das auch nur wegen strenger Ermahnungen meines Orthopäden. Ich mag spazieren gehen, wandern, Rad fahren und tanzen, aber nur, wenn der „Sport-Aspekt“ nicht im Vordergrund steht. Sobald mich jemand motivieren will, beim Wandern Schritte, Kilometer, Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch, etc. zu messen, vergeht mir jede Lust. (Ein Schrittzähler wäre für mich die sicherste Art, um zu bewirken, dass ich nicht mehr spazieren/wandern gehe).

  1. Gibt es einen Sport, den du wegen der Kinderwunschsache aufgegeben hast? Welchen?

Nein, da beim Adoptionsverfahren der Körper nicht so im Vordergrund steht wie bei der KiWu-Behandlung, mache ich momentan denselben Sport wie vor dem Kinderwunsch. Während der KiWu-Behandlungen (IUIs) musste ich aber teils auf Wassergymnastik verzichten, da ich nach der Insemination für mehrere Tage nicht ins Chlorwasser gehen sollte.

  1. Lieber Winter oder Sommer? Warum?

Für mich haben beide Jahreszeiten ihre schönen Seiten. Ich liebe das gemütliche „Auf-Der-Couch-Sitzen“ bei Kerzenlicht ebenso wie die langen Abende auf dem Balkon. Meine liebste Jahreszeit ist der Frühling. Also etwas zwischen Winter und Sommer. Das liegt auch daran, dass ich weder Hitze noch Kälte mag. Am liebsten bin ich draußen, wenn es so um die 20 Grad warm ist. 30 Grad empfinde ich eher als unangenehm.

  1. Bist du genervt von der ganzen Fragerei?

Nein, die Fragen beantworte ich gerne. Ist eine schöne Gelegenheit, etwas zu erzählen.

 

So, und im Anschluss meine Fragen:

  1. War das Schreiben schon immer ein wichtiger Teil deines Lebens oder ist das Bedürfnis mit dem Kinderwunsch (und den Kinderwunschbehandlungen) entstanden?
  2. Gibt es ein Land (einen Ort, eine Stadt), in der du gerne mal eine Zeitlang leben würdest?
  3. Lieber Filme oder Serien?
  4. Gibt es ein Buch, das dir während der Kinderwunschzeit geholfen hat? (Oder einen Film, eine Serie, etc.)?
  5. Hast du gern einen vollen Terminkalender?
  6. Ist für dich das Erleben einer Schwangerschaft/Geburt ein zentraler Teil deines Kinderwunsches? Warum ja/nein?
  7. Gibt es Pläne (z.B. berufliche Auslandsaufenthalte), die du wegen des Kinderwunsches aufgegeben hast?
  8. Was war dein Traumberuf als Kind?
  9. Was sähe ein perfekter Sonntag aus?
  10. Ist es für dich wichtig, diejenige zu sein, die (zusammen mit dem Partner/der Partnerin) Ihrem Kind den Vornamen (Rufnamen) gibt? Warum ja/nein?

Und hier meine Nominierungen:

Mein Erstgeborenes

Im Symposium behauptet Platon, dass der Wunsch nach Fortpflanzung dem Streben nach Unsterblichkeit geschuldet ist. Fruchtbar sein kann man nach Platon auf zwei Weisen, körperlich und seelisch-geistig. Ebenso kann man zwei Arten von Nachkommen haben, biologische und seelisch-geistige.

Mein erstes „geistiges“ Kind wurde heute geboren. Im Gegensatz zum vier Jahre langen Zeugungsprozess war die Geburt recht unspektakulär. Der DHL-Bote klingelte und drückte mir ein Paket mit dreizehn Büchern in die Hand. Die Veröffentlichung meiner Doktorarbeit. Und hier liegt es vor mir, mein erstes „Kind“.

(Man könnte einwenden, dass eigentlich der Blog mein Erstgeborenes ist. Aber der Blog ist ja noch im Entstehen, ich bin noch mit ihm „schwanger“. Außerdem bin ich  gewissermaßen „nur“ die „heimliche Mutter“ des Blogs, da alles unter einem Pseudonym läuft).

Und, wie ist sie so, die geistig-seelische Elternschaft? Ich freue mich natürlich, es ist schön, nach vier Jahre Arbeit ein Ergebnis in den Händen zu halten. Schön auch der Gedanke, dass vielleicht irgendwer mal das Buch liest und die Fäden aufnimmt, die ich dort hinterlassen habe.

Doch es wäre übertrieben zu behaupten, dass mich das Buch über meine Kinderlosigkeit „hinwegtröstet“. Die Parallele zwischen „Ein-Buch-Schreiben“ und „Ein-Kind-Haben“ scheint sich ohnehin nur zu ergeben, da Platon die narzisstische Seite der Fortpflanzung in den Vordergrund stellt – eben den Wunsch, irgendwie über den eigenen Tod hinaus weiter zu exisitieren. Das ist gewiss ein Teil des Wunsches, auch für mich, doch es ist eben nicht die ganze Geschichte.

Da ist doch auch das Bedürfniss, eine Beziehung zu einem anderen aufzubauen. Mein Buch ist aber ein Teil von mir, eine Art des Nach-Außen-Tragens der eigenen Gedanke. Schaue ich in das Buch, schaue ich allein mich selbst an. Da ist keine Beziehung. Außerdem ist da das Bedürfnis, für jemanden zu sorgen, jemanden ein Zuhause zu geben. Das ist für ein Buch wohl kaum nötig.

Es war deshalb wohl klug von Platon, bei seinem Lob der seelisch-geistigen Elternschaft weniger auf Werke wie Bücher zu setzen (obwohl das Unsterblich-Werden durch Bücher für ihn ja gut funktioniert hat), sondern mehr auf Austausch, Erziehung und Beziehungen. Die seelisch-geistigen Kinder sind nach Platon nämlich keineswegs nur die eigenen Werke, sondern auch alle Menschen, die man in irgendeiner Weise geprägt hat. (Aus diesem Gedanke heraus scheint sich auch der Begriff „Doktormutter/vater“ entwickelt zu haben). Wichtiger als fertige Werk sind für meine „seelisch-geistige Mutterschaft“ deshalb vielleicht die Dinge, die mit der Arbeit am Buch verbunden waren: das Unterrichten, die Vorträge, die Diskussionen im Kolloquium und abends in der Kneipe.

Und auch jedes Kind, das man erzieht (und dadurch prägt), ist nach Platons Beschreibung ein seelisch-geistiges Kind. Auch unser Adoptivkind wäre also ein Teil meiner seelisch-geistigen Elternschaft. Ebenso wird jeder, der ein leibliches Kind bekommt und dies selbst aufzieht, zugleich auch auf seelisch-geistige (und nicht nur auf körperliche Weise) Mutter oder Vater.

Somit: Das Buch ist wunderschön (zumindest in meinen Augen) und ein toller Einstieg in die ’seelisch-geistige Elternschaft‘, aber die Krönung ist es nicht. Wichtiger sind die Menschen, mit denen man sich austauscht, von denen man geprägt wird und die einen prägen und mit denen man zusammen die besten Ideen hervorbringt. Und die absolute Krönung wird es sein, einmal selbst ein richtiges Kind zu haben, mit dem man zusammen lebt, das man beim Aufwachsen begleitet, dem man die Welt zeigen kann.

 

Glücksbringer

Eigentlich halte ich nicht sonderlich viel von Silvesterritualen. Ich habe keine Lust, das neue Jahr schon jetzt mit Hoffnungen zu überfrachten. Wir hatten gestern aber eine schöne Feier mit Nachbarn und Freunden (Raclett, Spiele, Feuerwerk). Gerade gab es noch ‚Reste-Raclett‘ und jetzt bin ich super müde.

Doch zufällig habe ich an Silvester beim Lesen in der Zeit einen kleinen Glücksbringer gefunden, den ich mir für das neue Jahr ausgeschnitten und an die Pinnwand gehängt habe. Vielleicht kennen einige von euch die Rubrik „Was mein Leben reicher macht“. Eine Rubrik, in der Leser*innen in ein paar Sätzen alle möglichen Geschichten und Momente ihres Lebens miteinander teilen.

Dort habe ich in dieser Woche diese Geschichte gefunden, die mir wie ein gutes Omen für das neue Jahr erscheint. Ich zitiere sie hier einfach mal ganz, sie ist ja nicht lang:

„Vor drei Jahren schenkte mein Mann mir ein Zeit-Abo. Als Prämie wählte er einen hölzernen Kinderhochstuhl aus, denn wir wünschten uns ein Baby. Dieser Wunsch erfüllte sich lange nicht. Wir wollten den Stuhl schon verkaufen. Heute sitzt unsere kleine Adoptivtochter in dem schöne Stuhl! (E. A., Köln)“.

 

 

 

Blick auf 2017

2015, kurz vor Beginn unserer ersten Behandlung (VzO mit Stimulation) in der Kinderwunschklinik erzählte mir meine Mutter von einem Traum. Sie sagte, sie habe geträumt, dass wir ein Kind bekommen würden und zwar im Jahr 2017. Meine Mutter glaubt an die prophetische Bedeutung von Träumen, ich eigentlich nicht und trotzdem sagte ich damals zu ihr: „Was? Erst 2017? Das halte ich nicht aus, so lange zu warten.“ Meine Mutter setzte große Hoffnungen in den Traum. Sie änderte sogar ihr E-Mail-Passwort zu „Enkelkind2017“ (oder so ähnlich). Trotz meiner Skepsis setzte auch ich ein paar Hoffnungen auf dieses Jahr und zu Beginn des Jahres sah es ja auch noch ganz gut aus. Nun ist 2017 so gut wie vergangen und wir sind immer noch zu zweit. Zeit für meine Mutter, ihr E-Mail-Passwort zu ändern.

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um wie letztes Jahr noch einmal zurück zu schauen. Der Fragebogen ist wie im letzten Jahr von ‚noblets‘ (https://noblets.wordpress.com) übernommen, allerdings habe ich ihn meinen eigenen Interessen gemäß ein wenig abgewandelt.

Auf einer Skala von 1 bis 10, wie war dein Jahr?

Definitiv besser als das letzte. Ich denken, eine 6 ist angemessen.

Haare länger oder kürzer?

Sehr viel kürzer. Anfang des Jahres hatte ich noch richtig lange Haare, jetzt gehen sie mir nur noch knapp bis über die Ohren

Kurzsichtiger oder weitsichtiger?

Was das Adoptionsverfahren angeht, bin ich wohl um ein paar Illusionen ärmer. Also weitsichtiger. Aber ich habe auch eine neue, stärkere Brille bekommen. In diesem Sinne kurzsichtiger.

Besseren Job oder schlechteren?

Ist noch derselbe wie im letzten Jahr.

Mehr ausgegeben oder weniger?

Ich glaube, etwas weniger als im letzten Jahr, da wir dies Jahr nicht umziehen mussten.

Dieses Jahr etwas gewonnen und wenn, was?

Viel neues Wissen, in beruflicher Hinsicht, aber besonders auch in Bezug auf die Adoption. Außerdem habe ich eine nette neue Kollegin bekommen.

Mehr bewegt oder weniger

Ungefähr gleich viel.

Die gefährlichste Unternehmung?

Mmh, da fällt mir wirklich nichts ein. Ich glaube, ich bin insgesamt eher ein ängstlicher, auf Sicherheit bedachter Mensch.

Die teuerste Anschaffung

Das waren wohl die zwei Wochen Urlaub in Holland. Und wenn man alles zusammenzählt, die Dinge, die ich zur Ausbesserung unserer Wohnung vor dem Hausbesuch im März gekauft habe.

Das leckerste Essen

Der Butterfisch an der holländischen Nordseeküste. Unsere selbstgebackenen Weihnachtskekse. Mein Geburtstagskuchen.

Das beeindruckendste Buch

Kierkegaard: Die Krankheit zum Tode

Ulla Hahn: Das verlorene Wort / Aufbruch / Spiel der Zeit

Der beste Film

Martin Scorese: Silence

Die meiste Zeit verbracht mit?

Ben

Die schönste Zeit verbracht mit?

Auch mit Ben

2017 zum ersten Mal getan?

Hausbesuch und Bewerberseminar im Rahmen eines Adoptionsverfahren, Lindy-Hopp getanzt, eine Feier für über 100 Personen geplant (die Nachfeier unser Hochzeit im April nächsten Jahres), richtig Halloween gefeiert

2017 nach langer Zeit wieder getan?

Wattwandern gegangen

Drei Dinge, auf die ich gut hätte verzichten können

Die Absagen der Bewerberseminare, die Krankheiten meiner Ratten, die AfD im Bundestag

Die wichtigste Sache von der ich jemanden überzeugen wollte

Die Jugendamtsmitarbeiterinnen beim Hausbesuch davon, dass wir super als Eltern geeignet sind

Das schönste Geschenk, dass ich jemanden gemacht habe?

Karten zur „Oreisteia“

Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat?

Ein Lindy-Hopp Tanzkurs und ein Doctor-Who-Adventskalender

Dein Wort des Jahres

Warten

Dein Unwort des Jahres

Es ist eher eine Phrase: „zu geringe Teilnehmerzahl“

Vorsätze fürs neue Jahr

Mich weniger aufregen über Firmen, die für ihre Dienstleistungen zwar viel Geld verlangen, aber einen lausigen Service bieten (vor allem DB, Eurobahn und 1&1). Kostet nur Nerven und nützt ehe nichts.